Schon Sokrates fürchtete um die Jugend. Die Eltern der `68er Generation erregten sich über lange Haare und Blue Jeans. Eine Schulleiterin in Niedersachsen bittet in einem Brief die SchülerInnen, von körperlichen Entblößungen während des Unterrichts abzusehen.
Ohne den Drang der Jugend, sich modisch von ihrer Elterngeneration zu unterscheiden, würden wir heute noch die Toga tragen. Nackte Bäuche, Bauchnabelpiercings, blitzende Tangas und dies alles meist an leckeren, schlanken jungen Schülerinnen. Ein dankbares Thema für die Presse. Was sollte man dagegen haben?
Die Ansichten darüber gehen auseinander. Viele Schüler pochen auf ihre Freiheit, anziehen zu dürfen, was sie wollen und berufen sich - ihrer Rechte voll bewusst - auf das Grundgesetz.
Als Lehrerin wünsche ich mir, dass Kinder und Jugendliche die Schule als ihren Arbeitsplatz begreifen. Die Steuerzahler haben ein Recht auf Effizienz dieses Arbeitsplatzes, denn das ist es, was Deutschland momentan am dringendsten braucht: Effizienz.
Schule ist ein Ort des Lernens. Wir dürfen uns nicht scheuen, hier Leistung zu fordern. Schulklassen sind Zwangsgemeinschaften, die sich die Kinder nicht aussuchen können, in denen sie aber mehrere Jahre arbeiten müssen. Ausgrenzung wegen nicht getragener Markenkleidung, Anmache und sexuelle Phantasien wegen entblößter Körperteile stören den Arbeitsplatz Schule.
An meiner Schule in Hamburg - Sinstorf habe ich vor drei Jahren Schulkleidung eingeführt und die Erfahrung gemacht, dass einheitliche Schulkleidung ein Zusammengehörigkeitsgefühl erzeugt und die Integration in die Lerngruppe beschleunigt.
Modefragen und egozentrische Selbstdarstellung sind am Vormittag kein Thema mehr.
Schulkleidung hat hier Akzeptanz, weil die Schüler das Thema selbst erarbeitet und an der Zusammenstellung ihrer Arbeitskleidung nach ihren Bedürfnissen, ihren Tragegewohnheiten und ihrem Geschmack mitgewirkt haben.
Schulkleidung ist nicht Schuluniform. Sie bedeutet nicht Gleichmacherei, sondern
ist vielmehr ein guter Weg zu größerer Sozialkompetenz, besserem Miteinander und einem guten Klassenklima - und das ist notwendig zum gemeinsamen Lernen. Schüler sind frei vom Druck der Marken und modischen Zwängen. Sie entwickeln ihr ganz individuelles Selbstwertgefühl.
Schulkleidung entlastet zudem das Budget der Elternhäuser. Sie ist erheblich preiswerter als Markenkleidung.
Leider haben die Hersteller das Potential des deutschen Schulkleidungs - Marktes noch nicht erkannt.
Ihr Hauptaugenmerk liegt auf dem britischen Markt und der Freizeit-, bzw. Promotionwear.
Deutsche Schüler können sich mit dem Stil und Design britischer Schoolwear nicht anfreunden
Promotionwear andererseits entspricht in ihrer Qualität nicht den Anforderungen an Schulkleidung, die auch nach häufigem Waschen und Tragen ihre Passform und Farbechtheit nicht einbüßen darf. In meiner dreijährigen Erfahrung mit Schulkleidung an meiner Schule hat sich das Problem ergeben, dass nur wenige Teile der Belastung ausreichend standhalten.
Farbechtheit und Formstabilität bedürfen bei einigen Herstellern der Verbesserung. Das Anteilsverhältnis bei Mischgeweben müsste wohl dahingehend verändert werden, dass die Materialien der starken Beanspruchung genügen. Wünschenswert wäre auch ein Colormatching, so dass die Standardfarben bei Schulkleidung verlässlich einheitlich wären.
Schulkleidung ist nicht Schuluniform, d.h. Schüler werden nicht mit festgeschriebenen Kleidungsstücken versorgt, die sie an ihrer jeweiligen Schule tragen müssen. Sie dürfen an der Auswahl von Teilen, die für ihre Gemeinschaft gelten sollen, mitwirken. Nur so identifiziert sich eine Schulklasse bzw. die Schülerschaft einer Schule mit „ihrer Schulkleidung“, die zwar in Farbe und Logo vorgegeben, in der Auswahl aber frei und typgerecht zu wählen ist. Heute ist es recht zeitaufwendig, aus dem Angebot diverser Bekleidungshersteller die Schulkleidung zusammenzustellen, die die Akzeptanz der Schüler findet und die nötige Robustheit aufweist.
Erfreulich wäre es, wenn sich ein Hersteller bei der Planung des nächsten Produktentwicklungsetats dieses unterversorgten Marktes annehmen würde.
Karin Brose, Studienrätin www.schulkleidung.com