Anmache bei Sexualkundeunterricht - Presse - Schule, Markenkleidung, Kleidung, Schulkleidung, Schuluniform, Arbeitskleidung, Kollektion, Klamotten, Kinder, Schüer, Gleichberechtigung, Schulkleidungskollektion, Gewaltprävention, Grundschule, Realschule, Hauptschule, Gesamtschule, Gymnasium

Karin Brose hat vor vier Jahren einheitliche Schulkleidung an einer Haupt- und Realschule in Hamburg-Sinstorf eingeführt. In Klassen, die Schulkleidung tragen, gibt es deutlich weniger Integrations-probleme und daher mehr Zeit zum Lernen. Schulkleidung ist die Arbeitskleidung in der Schule - Im Jahr 2000 habe ich zusammen mit der Elternschaft in meiner Schule in Hamburg-Sinstorf, erstmalig an staatlichen Schulen in Deutschland, einheitliche Kleidung für Schüler eingeführt. Ich habe dafür den Begriff Schulkleidung geprägt. Dieses Buch ist ein Leitfaden für diejenigen, die Schulkleidung an ihrer Schule einführen wollen. Die Kapitel Logistik, Kollektion, "leine Warenkunde, Juristische Grundlagen und Pressearbeit helfen Ihnen Fehler zu vermeiden. Im Kapitel Das pädagogische Konzept erfahren Sie, dass Schulkleidung nicht zur Gleichmacherei führt, sondern die individuelle Entwicklung der Kinder fördert.
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Anmache bei Sexualkundeunterricht

Das sind die Eier. Ist doch klar.

Diese Antwort hat die Biologielehrerin nicht erwartet. Nach drei Wochen Sexualkundeunterricht bestimmen die Schüler der 8. Gesamtschulklasse die Hoden des Mannes als „Eierstock“.

Die Lehrerin weiß, dass das Niveau an den umliegenden Schulen nicht anders ist. Aus disziplinarischen Gründen werden regelmäßig Schüler untereinander ausgetauscht. Sie vermutet, dass 30% dieser Klasse auf dem Stand der Grundschule stehen geblieben oder sogar Förderschüler sind. Viele bildungsferne Eltern erwarten hier hohe Lernabschlüsse und erkennen nicht, dass auch die Gesamtschule ihnen die Elternarbeit nicht abnehmen kann. Ihre Kinder treffen sich in den Hauptfächern zumeist in den Unterkursen.

In den Naturwissenschaften werden bis Klasse 8 noch alle Schüler zusammen unterrichtet. Es herrschen teilweise chaotische Zustände.

Das Thema Sexualkunde interessiert alle brennend, aber anders als der Lehrplan es vorsieht. Sexistische Anmachen fliegen durch den Raum, nach dem Motto: Wer kann die Unverschämtheit seines Tischnachbarn toppen?

Einer bietet der Lehrerin ein ‚Arbeitszimmer’ in der Herbertstrasse an. Ein anderer versteigert eine Mitschülerin: „Die kannst du f.....,  für 10 Euro.“

Wie würden Sie als Lehrer reagieren?

Kein Druckmittel zieht, keine Verlockung greift. Wenn sie ungenügende oder mangelhafte Noten bekommen, lachen sich die Schüler schlapp.

Am Sportunterricht nehmen viele Mädchen erst gar nicht teil. Die Lehrerin: „Ich bin jedes Mal froh, wenn ich da heil wieder raus bin.“

Die Arbeitsbedingungen in den Gesamtschulunterkursen oder in den Hauptschulklassen gleichen sich stadtweit, weil die Schülerklientel aus demselben Milieu kommt. Hier treffen sich mehr als woanders Kinder, die zu Hause keine Wärme oder Zuneigung erfahren. Wie viele ihrer Kollegen beklagt eine Lehrerin die Gleichgültigkeit mancher Eltern. „Sie setzen Kinder in die Welt und das war es. Von der Schule erwarten sie die Erziehungsarbeit.“ Sie vergleicht die Schüler mit „kleinen Tiefkühlpäckchen“, die die Eltern bei der Einschulung in den Schulen abgeben. „Aber manche sind eben zu diesem Zeitpunkt schon verdorben.“ Ein Kind, das nicht erfahren hat, dass man ihm  zuhört, verschafft sich entweder Gehör oder wird ‚stumm’. Die meisten halten während der Schulstunden permanent Kontakt zu ihren Mitschülern. Dieses geschieht nicht nur verbal sondern auch körperlich. Sie drängeln, schubsen oder prügeln sich. Während der Stunde fliegen Gegenständen durch die Klasse. Wenn der Tritt gegen das Stuhlbein, auf dem er kippelt, einen zu Boden bringt, ist das Gebrüll groß und das Lernen endgültig vorbei.

„Wir sind froh, wenn die Kinder überhaupt in die Schule kommen. Da sind sie wenigstens von der Straße,“ sagt ein Lehrer.

Aber Ziele haben viele Schüler nicht. Dass sie keine Arbeit bekommen werden,  schreckt sie nicht. Ihre Eltern haben auch keine. In manchen 7. Klassen  können schon 40% der Schüler nicht versetzt werden. In der Regel werden sie aus Altersgründen aber ins nächste Schuljahr mitgenommen. Der Anteil derer, die nach Klasse 8 ins BVJ (Berufsvorbereitungsjahr) wechseln, steigt.

- Und wie viele werden es dort schaffen?

Wir haben es hier mit einem gesamtgesellschaftlichen Phänomen zu tun: Immer mehr Eltern erziehen ihre Kinder nicht. Viele sind schon mit ihrem eigenen Leben überfordert. Dieses Problem werden wir nicht mit Diskussionen über Ideologien wie ‚Dreigliedriges Schulsystem’ oder ‚Einheitsschule’ lösen. In dem vielfältigen Schulangebot, das wir haben, muss eine intensivere Betreuung bedürftiger Kinder greifen.

Vertreter aller  Hauptschulen eines Schulkreises in Hamburg haben sich zu einer Regionalkonferenz getroffen. Das Ergebnis ihres Erfahrungsaustausches wird der Bildungsbehörde zugehen.

Wer für die Bildung in unserer Stadt wirklich etwas tun will, sollte nicht nach Ausreden suchen oder den „schwarzen Peter“ weitergeben. Wir sind alle gefordert, uns dieser fatalen Entwicklung zu stellen, bevor es zu spät ist. - Das kostet Geld.

Die Kosten, die auf uns zukommen, wenn all diese Jugendlichen wegen fehlender Qualifikation oder Lebensuntüchtigkeit nicht in den Arbeitsprozess einsteigen können, werden ungleich höher sein.



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